Wenn die Lerchen in den Himmel steigen…

Von Franz – …dann könnte ich jauchzen vor Freude, so schön erklingt der Gesang der Feldlerchen über den Salzwiesen zwischen Hohwacht und Behrensdorf an der Ostsee. Sein stimmliches Können demonstriert das Männchen am liebsten hoch oben in bis zu einhundert Metern Höhe. Dabei umfassen die Liedstrophen rythmisch wiederholte rollende, trillernde und zirpende Töne, in die Imitationen (z.B. vom Turmfalken) eingebaut werden. Die Singflüge, die für Brüter im offenen Gelände typisch sind, dienen der Reviermarkierung und ersetzen die hier fehlenden Singewarten. Ich fahre mit dem Rad von Hohwacht Richtung Behrensdorf, links die Salzwiesen, rechts der Dünenstreifen mit den vielen wunderschönen Hundsrosen. Immer wieder höre ich die Flötentöne der weiblichen Lerchen aus der niedrigen Vegation. Am Boden sitzend singen sie etwas leiser als die Männchen. Dann fliegt plötzlich ein Männchen aus dem Gras auf und steigt mit Inbrunst singend in den Himmel. So hoch, dass es kaum noch zu erkennen ist. Was für ein Geschenk! Nach mehreren Minuten lässt sich der Künstler im Sturzflug fallen und landet wieder neben seinem versteckt sitzenden Weibchen.

Mein Namenspatron als Vorbild

Im Schilf rufen Schilfrohrsänger. Um die Weibchen zu beeindrucken singen die Männchen in komplexen und facettenreichen Strophen. Leider sind sie, wie so häufig, nicht zu sehen. Dann klettert plötzlich ein Schilfrohrsänger an einem Schilfrohr hoch und lässt seinen wunderbaren Gesang erklingen. Eigentlich bräuchte ich für die Fotos noch eine Tonspur. Muss ich mich mal mit beschäftigen. Etwas weiter fliegen immer wieder Vögel aus den Hundsrosen auf und lassen sich weiter vor mir auf Zweigen nieder. Ich pirsche mich langsam mit dem Rad an. Doch sie lassen mich nicht nah genug heran, fliegen wieder auf und landen weit vor mir in den Sträuchern. Das Spielchen wiederholt sich mehrfach. Eine andere Taktik muss her. Also warte ich auf dem Pfad hinter einem Strauch und hoffe, dass die Vöglein zu mir kommen. Mein Namenspatron ist schließlich der Ordensgründer Franz von Assissi, dem eine besondere Beziehung zu Vögeln nachgesagt wird. Es dauert nicht lange und ein Jungvogel lässt sich in einer Hundsrose nieder und bettelt um Futter. Ein Altvogel, eine Dorngrasmücke, fliegt mit mehreren Insekten im Schnabel herbei. Auf einem Strauch entdecke ich ein Vogelpaar. Zu Fuß schleiche ich mich näher heran. Es sind Bluthänflinge, ein Männchen mit roter Brust und ein Weibchen mit weniger farbenprächtigem Gefieder. Beide Szenen habe ich im Kasten.

Da kommt Freude auf.

Ich wechsele über den Dünenstreifen zum Strand. Größere Teile des Strandes sind für Besucher gesperrt, damit Sandregenpfeifer in Ruhe und geschützt brüten können. Im nicht geschützten Bereich nahe an Strandkörben ist ein kleines Arreal durch Flatterband abgesperrt. In der Mitte ein Käfig, unter dem wohl ein Sandregenpfeifer brüten soll. Mit dem Fernglas kann ich keinen brütenden Vogel erkennen. Aber zwei Eier liegen ungeschützt im Kies. Ich entferne mich und betrachte aus einiger Entfernung den Käfig. Es dauert nicht lange und ein Alttier kehrt zurück und lässt sich auf dem Gelege nieder. Da kommt Freude auf. Hoffentlich werden die nahen Strandkörbe für einige Zeit nicht genutzt, zum Glück ist das Wetter gerade nicht so prickelnd.

Abendliche Flugrunde der Stare

Zurück zum Sehlendorfer See und zur Aussichtsplattform. Gerade eingetroffen, beginnt ein großes Gänsegeschrei und zahlreiche Graugänse fliegen laut schnatternd auf. Ich schaue in den Himmel, zwei Seeadler, ein Einjähriger und ein Alttier kreisen am Himmel. Kein Wunder, dass die Gänse verschreckt davon fliegen. Eine Flussseeschwalbe ist mutiger und attackiert den älteren Seeadler immer wieder von oben. Es ist das erste Mal, dass ich die majestätischen Vögel relativ nah beobachten kann. Auf dem Rückweg nach Hohwacht höre ich das Gezwitscher von unzähligen Staren. Sie sammeln sich gerade um ihren Schlafplatz anzufliegen, drehen vorher aber noch ein paar Ehrenrunden, ein wunderbares Naturschauspiel.

Jagen und füttern

Vor unserer Urlaubswoche in Hohwacht waren wir ein paar Tage an der Schlei in der Nähe von Kappeln. Bei einem Besuch der Ostsee-Steilküste von Schönhagen kann ich Uferschwalben bei der Fütterung ihrer Jungen fotografieren. Aus zahlreichen Höhleneingängen erklingt das bettelnde Rufen der Jungvögel. Über der Steilküste jagen die Eltern Insekten und fliegen immer wieder die Nisthöhlen an, um den Hunger der Jungen zu stillen. An der Geltinger Birk, einem großen Naturschutzgebiet nördlich von Kappeln, bietet sich ein ähnliches Bild bei den Rauchschwalben. Was für eine Arbeit, die Nachkommen groß zu ziehen und gut, dass ich das schon lange hinter mir habe. 

 

 

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