Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Das ist jetzt wirklich verdamp lang her, dass Franz und ich zusammen gewandert sind. Fast ein ganzes Jahr bald. Da gab es Dinge, die Familien in den Grundfesten erschüttern können und es dauert halt, bis die Welt sich wieder in ihren gewohnten Rahmen setzt.
Nun sind wir – Franz, Martin und ich -, wieder hier am Schloß Neuenhof, um eine dritte, vierte (?) Runde um den Stilleking bei Lüdenscheid zu drehen. Richtig, das Gebiet, wo früher Bundeswehr-Panzer gemöhrt haben und das heute ein stilles, geschütztes Reservat für Tiere und Pflanzen ist. Am Wanderparkplatz vor dem Schloss Verblüffung: Da fährste aus Elspe wech, und wo landeste? Genau, an der Elspe! Das mickernde Bächlein trägt den gleichen Namen wie das berühmte Indianer-Dorf.
Einen Menschen „schießen“
Zunächst gebe ich Franz eine Leihgabe zurück, die schwer meinem Bücherregal gelastet hat. Gaea Schoeters Roman „Trophäe“. Ein Buch von tiefer Wucht und einem Spin, dass einem beim Lesen schwindelig wird. Sein Inhalt: Ein reicher Amerikaner bekommt von seinem südafrikanischen Freund ein Nashorn geschenkt, um die Big five, jene unrühmliche Sammlung von totgeschossenen wilden Tieren, zu vollenden. Doch Wilderer kamen ihm zuvor. Da macht ihm sein Freund ein zutiefst unethischen Vorschlag: Was wäre, wenn er stattdessen einen Menschen „schießen“ würde? Der Junge, den er jagen soll, opfert sich im Einverständnis mit seinem Volk, den Bushmen, die durch das Kopfgeld weiter ihre Lebensweise einhalten können.
Reality beats fiction
Als gelernter Katholik fährt einem automatisch das Christentum in den Kopf. Die Meta-Ebene: Jesus Christus, der sich hingibt für die Menschheit. Die Aufgabe jeglicher moralischer Werte und die Grausamkeit des Vorschlags ziehen den Leser intensiv in das Buch und die unerbittliche afrikanische Natur hinein und es kommt, wie es kommen muss: Zu einem unerwarteten, vielleicht ausgleichenden Ende.
Doch reality beats fiction, mag sie noch so grausam sein. „Das hat es im Bürgerkrieg in Sarajewo schon gegeben, wo reiche Italiener für ein hohes Kopfgeld auf Zivilisten schießen konnten“, meint Franz. In der Tat wird in Fällen von Kriegstourismus in mehreren Ländern ermittelt.
„Nur für Grüne”
Der Einstieg in unsere Runde beginnt lustig. Ein Telefon hängt am Pfahl mit der Empfehlung: „Nur für Selbstgespräche“ und eine Dreifachsteckdose am Baum ist eine Ladestation „Nur für Grüne“. Von den bunten „Geduldsfäden zum Mitnehmen“ hätte ich einen gebrauchen können, denn die Strecke, die Franz entworfen hat, führt uns immer tiefer in unwegsames Grün, zuletzt übermannshohen japanischen Knöterich. „Was habe ich da nur wieder geplant“, entfährt es Franz. Jedenfalls nicht eine seiner üblichen „Abkürzungen“. Für diese Unart unter Wanderfreunden, eine Strecke willentlich oder unfreiwillig zu verlängern, gibt es übrigens eine prima T-Shirt: „Für eine Abkürzung ist mir kein Umweg zu lang“. Habe ich natürlich.
Heckrinder, stoisch im Gras
Oben auf dem Stilleking Prärie-Anmutung wie im mittleren US-Westen und Biester gibt es auch. Viel Weite, viel Höhe, und wie in einem monumentalen Großfoto von Andreas Gursky entdeckt man beim genaueren Hinsehen ganz unten die Heckrinder des Reservats: unbeweglich, stoisch ruhen sie wie beige-braune, braunschwarze Tupfen im wehenden verdorrten Gras.
Entspannung und Zufriedenheit
Auf einem schönen, wie Kaugummi langgezogenen Pfad laufen wir auf den Homert-Turm zu. Im April 2021 bot sich uns seinerzeit ein Panorama des Schreckens. Die Kuppe – und sämtliche darum herum – komplett entwaldet, der Turm wie ein Leuchtfeuer in schwerer See. Der Borkenkäfer hat gründlich gewütet, armdicke Astknüppel säumten unseren Weg. Auf der Kuppe selbst hat sich in der Zwischenzeit – vermutlich – der SGV ausgeferkelt, anders kann man das kaum sagen, denn der Platz um den Turm (Anmutung einer ausgebrannten Raketenstufe mit Hitzeschutzkacheln) ist mit den üblichen Waldmöbeln vollgestellt. Normierte Bänke, Tische, Waldsofas, soweit das Auge reicht.
Der Weg runter auf dem Pilgerweg des Bistums Essen zwingt uns zwischenzeitlich zum Bücken, mehrere kapitale Laubbäume liegen schon länger quer im Weg. Zum Glück, denn dieser „Kreuzweg“ stößt unsere Nasen auf Steinpilze. Ziel der Runde: Entspannung und Zufriedenheit erreicht.

- Schloss Neuenhof
- Spricht für sich!
- Geduldsfäden für uns
- Eintauchen in den Stilleking
- Heide blüht.
- Überwucherungen
- Am Stilleking entlang
- Wie in der Prärie
- Bläuling auf Rainfarn
- Heckrinder…
- … im „Steppengras“
- Eintauchen in den Wald
- Mit prächtiger Steinpilz-Beute
- Schöner Pfad…
- …durch farbigen Farn
- Steinpilz-Greis
- Zum Homertturm
- Schön pfadig
- Viele Wanderwege
- Blick über Lüdenscheid
- Lacktrichterling
- Mit Umleitung
- Blick auf den Stilleking
- Perlpilz
- Gerichtslinde
- Vergänglicher Wald
- Helmlinge
- Baum mit Klettergriffen?










































