Wieder auf dem Hochblauen

Long time no see! Jo, sind schon Jahre her, glaube ich, als ich zum letzten Mal auf dem Hochblauen war. Und seitdem hat sich hier oben und auch unten im Rheintal eine Menge getan. Transformation, Change, wie es im hippen Business-Sprech heißt, und genauso sieht es auf dem Hochblauen auch aus. Dazu später mehr.
Ende der 1990er Jahre war uns der Schwarzwald zu niedrig geworden, wir wollten höher und alpiner hinaus. Bergsteigen, Klettersteige in Kärnten und Slowenien, Brenta, Südtirol: Das ist jetzt vorbei. Der Körper hinkt der Frische und dem Willen des Kopfes hinterher, Du merkst die „7“ vorne. Aber es ist schön, wieder hier im Schwarzwald zu sein, die Ruhe und die Schwerkraft des Waldes zu spüren, und: AM Berg sind wir allein, nur ein jüngeres Paar überholt uns auf dem pfadigen, felsigen Aufstieg zum Blauen.

„Jedes Fenster ein Bild”

Der Kontrast auf dem Gipfel könnte nicht härter ausfallen. Im Frühjahr 2026 hat das Hotel Hochblauen neu eröffnet, die Exuvie des verlebten, aber irgendwie charmanten Baus abgestreift und sich in Stahl und Beton geworfen. Ein Luxus-Resort mit Spa, Bar und Restaurant, schöner geworden ist es nicht. Vor dem Hotel auf dem Parkplatz buntes Treiben, Rennradler, schnatternde Wandergruppen und schweizer Luxuslimousinen (Momentaufnahme). Wird hier oben jemals ein in Anführungstrichen normaler Wanderer nächtigen (Zimmerpreise ab ca. 145 Euro pro Kopf aufwärts, ohne Frühstück)? Eigenwerbung: „Jedes Fenster ein Bild. Jeder Aufenthalt eine Erinnerung“. Zumindest die Terrasse öffnet sich auch den normalen Berggehern.

Von Betonflanken gesichert

Der Hochblauen ist nun räumlich abgesteckt. Hier das Hotel, von Betonflanken gesichert, das Areal ringsherum aufgeschüttet und abgezäunt. Früher konnte man unterhalb des Blauen-Hotels im Gras sitzen und in die Tiefe der Rheinebene blicken, die Gleitschirmflieger starteten von hier und auf einer alten Holzbank haben wir unsere Tochter gewickelt. Jetzt sieht es dort wie eine vergessene Baustelle aus (Momentaufnahme). Wir übernehmen die hilfreiche Technik des seitlich dran Vorbeigehens, weil wir uns dem Hotel nicht gewachsen fühlen, frei nach dem Psychoanalytiker Carl Gustav Jung.
Auch im Tal hat sich einiges getan. Entlang der B3 von Schliengen nach Müllheim sind Gewerbegebiete und neue Restaurants entstanden, während die Einkaufsstraße in Müllheim verhärmt daliegt, weil viele Einzelhändler aufgegeben haben. Eine Entwicklung, die leider vor den traditionellen Gasthöfen im Markgräfler Land nicht haltmacht.

„Die Kunst des Weglassens”

Aber es gibt sie noch, die guten, alten Dinge. Die Krone in Mauchen mit den exzellenten Weinen des Gutes Lämmlin-Schindler, die Vesperwirtschaft Krone in Zunzingen mit ihrer Kachelofen-Gemütlichkeit, oder der Hirschen in Egerten-Nebenau. Der junge, gleichnamige Enkel des verstorbenen Max Geitlinger hat an dem alten, urigen Gasthaus gar nichts verändert. Und das ist auch gut so. Im Hirschen wird die Kunst des Weglassens perfektioniert. Ein Salat, der mit feinem Eigenaroma glänzt, weil er nicht in der Staunässe von Essig und Öl versinkt, zarte Schäufele-Scheiben, lauwarmer badischer Kartoffelsalat in Referenzqualität: eine Verbeugung vor der guten badischen Traditionsküche und gekocht wird übrigens seit mehr als 100 Jahren auf einem holzbefeuerten Herd.

Spontanvergoren und unfiltriert

Radikal eingegriffen hat der junge Max Geitlinger in den Weinberg. Statt wie früher Fasswein wie beim alten Max, serviert er sortenrein gekelterte Weine, die ganz  anders sind. Den Klassiker des Markgräfler Landes, den Gutedel, interpretiert er spontanvergoren und unfiltriert. Der Gut&Edel (10,5 %, 1,4 g RZ, S 4,3 g) duftet verhalten nach weißen Blüten und Hefe, leicht trüb im Glas, Melone am Gaumen und phenolischer Griff, salziger Abgang mit einem Hauch von kandierter Orange (Geschmacksbeschreibung, wie immer: subjektiv). Der ZeroZero ein fein erdbeeriger, feminer Hauch von Schaumwein. Die „Rosie“ (2021, 11 %, RZ 0,6, S 5,4) ist eher ein als Rosé getarnter Rotwein, volle Schwarzkirschenwucht, voll im Maul. Schön zum Abhängen auf der abendlichen Terasse des „Haus am Blauenbach“! Mit seiner für Baden ungewöhnlichen Stilistik rockte der junge Winzer und Gastwirt schnell die Szene und kassierte einhellig lobende Erwähnungen in Wein- und Gastronomieführern. Und das Beste, also für Dortmunder: den Stoff bekommt ihr bei Arnd vom Cabernet & Co.!

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