Beschaulich schönes Hitzacker

Von Franz (Fotos) – Vor Jahren haben wir Hitzacker an der Elbe schon einmal einen Besuch abgestattet. Wir kamen aus der Lüneburger Heide mit Zwischenstopps in den wunderschönen Rundlingen im Wendland (davon noch ein eigener Bericht) und waren  beeindruckt von der tollen Lage der Altstadt auf einer Insel zwischen der Jetzel und der Altjetzel direkt an der Elbe. Glücklicherweise hatte meine Frau bei einer früheren Suche eine Ferienwohnung abgespeichert und noch glücklicher waren wir, dass diese Wohnung in einem ehemaligen Kurhotel am Hang des Weinbergs noch frei war und mit einem traumhaften Blick auf die Altstadtinsel wirbt. So kurz entschlossen haben wir selten einen kleinen Urlaub gebucht.

Elbe mit Niedrigwasser

Der weite Blick von der hölzernen Terrasse ist tatsächlich ein Traum. Zwischen Eichen ist die St. Johannis-Kirche zu sehen, links Teile der Altstadt über die die Sicht weit nach Mecklenburg-Vorpommern und ins Biosphären-Reservat Elbaue reicht. Schöner geht es kaum! Einziger Wermutstropfen, die Elbe führt wegen der langen Dürre Niedrigstwasser und die Radfährverbindung nach Bitter auf der östlichen Elbseite musste eingestellt werden. Leider betrifft das auch die Fährverbindung im nördlicher gelegenen Neu-Darchau, so dass die von mir schon vorher geplanten Radrundtouren im wahrsten Sinne „flachfallen“. Wie wir später feststellen, fließt so wenig Wasser in der Elbe, dass Schwimmer fast hindurchlaufen können. Nur die schmale Fahrrinne, die im Jahr noch von ungefähr 40 Lastschiffen genutzt wird, verhindert das fussläufige Queren. Die allermeisten Frachtschiffe nutzen wegen der ständig schwankenden Wasserstände auf ihrer Fahrt nach Norden oder Süden den Elbe-Seitenkanal.

Geschichte erleben

Aber nun zur Altstadt. Schöne Fachwerkhäuser säumen die Haupt-, die Elbstraße und die schmalen Gassen. Gleich am zweiten Abend nehmen wir an einer Stadtführung teil, um nicht nur einen optischen Eindruck zu erhalten, sondern auch ein paar Details über die Geschichte der 1258 gegründeten Stadt zu erfahren. Treffpunkt ist das alte Rathaus, einst ein königliches Amtshaus. Im Hof steht eine Bronzebüste von Claus von Amsberg, ehemaliger Prinz der Niederlande und verheiratet mit Königin Beatrix. Auf dem Marktplatz steht ein Brunnen „De Groode Butt“, der mahnt, an die Elbe und die Fische zu denken und als Symbol für Natur, Umwelt und Leben steht. Weiter geht es zum Jetzel-Sperrwerk, mehrere Plaketten mit den höchsten Hochwasserständen sind hier angebracht. Nebenan steht ein großes Schöpfwerk, dass bei Hochwasser und gesperrtem Sielwerk, das Wasser der Jetzel in die Elbe pumpt. Die Hochwassermauer kann mit Stahlwänden auf über 1,50m Höhe über dem höchsten Hochwasser von 2006 ausgerüstet werden. Damit hofft man, zukünftige Hochwasser von der Inselstadt fernhalten zu können. Weiter geht es zur St. Johannis-Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem schlichten Inneren und den bunten Bleiglasfenstern von 1917. An der Mauer gegenüber der Kirche hängen das gelbe Wendlandkreuz, ein Symbol des gewaltfreien Widerstands gegen das Atom-Endmülllager in Gorleben, und das „Kreuz ohne Haken, fUEr Vielfalt, dass aus Uelzen den Weg in viele Gemeinden Norddeutschlands gefunden hat.

Hitzacker mit Zwergenkultur

Am Zwergenstübchen, ein Lokal mitten in der wunderschönen Altstadt, erfahren wir, warum es mittlerweile 55 Zwerge aus Bronze verteilt in der Stadt gibt. Die Zwerge gehörten zu Hitzacker wie die Heinzelmännchen in Köln und machten sich nachts an die zu erledigende Arbeit. Doch eines Tages werden sie von einem übellaunigen Handwerksburschen vergrault und verlassen die Stadt. Doch die Jungzwerge (Alter 250 bis 400 Jahre) wollen zurück in ihren Heimatort und fordern, die Zwergenkultur zu pflegen. So zeigen sich die Zwerge wieder an der Bäckerei, auf der Hauptstraße, am Museum, auf dem Weinberg und am Hafen. Eine schöne Geschichte, die die Stadtführung munter ausklingen lässt. Wir entdecken im Laufe der Woche z.B. den Trabbi-Zwerg, einen subversiven „Sinnfluencer“, den Posaunisten, den Eiszwerg, einen Bierbrauer und viele mehr. Ja, Hitzacker ist einen Besuch wert.

 

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