Von Franz – Kurzurlaub, nur wohin? Wir landen bei Bad Bentheim im beschaulichen Gildehaus. Uns reizt das Gildehauser Venn und das riesige Bourtanger Moor bei Meppen. Die erste Fahrradrundtour starten wir an der Gildehauser Ostmühle, die glücklicherweise mittwochs geöffnet ist. Bestimmt habe ich einmal erwähnt, dass mein Vater Müller war und ich in einer Mühle (wenn auch „nur“ in einer Elektromühle) groß geworden bin, weshalb meine Frau und ich seit vielen Jahren am Pfingstmontag, dem internationalen Mühlentag, Wasser- und Windmühlen besuchen, die in erreichbarer Nähe liegen.
Die Ostmühle steht auf einem kleinen Höhenzug, der sich als Verlängerung des Teutoburger Waldes von Schüttorf im Osten, über Bad Bentheim bis Gildehaus erstreckt und prägt damit entscheidend das heutige Landschaftsbild. Erbaut wurde sie in den Jahren 1749/50 aus Bentheimer Sandstein und wird bis 1913 betrieben. Der Fürst zu Bentheim verkauft sie dann an den Textilfabrikanten van Delden aus Gronau, der sich verpflichtet die inzwischen unrentable Mühle zu erhalten. Ende des 2. Weltkrieges und in den Jahren danach ist die Gildehauser Ostmühle die einzige Mühle weit und breit, in der man Haferflocken herstellen kann. 1984 kann die Ostmühle vom Landkreis Grafschaft Bentheim erworben und aufwändig restauriert werden. Inzwischen wird sie durch einen Mühlenverein und deren Freizeitmüller erhalten. Alle Hochachtung vor dem ehrenamtlichen Engagement.
Das Gildehauser Venn ruft. Wir genießen von der Anhöhe einen weiten Blick nach Süden, radeln unbeschwert bergab hinein in die bäuerliche Landschaft. Wir umrunden das Venn von Westen aus und erreichen über einen schönen Fahrradweg den Zugang mit einem kleinen Aussichtsturm. Eine weite Landschaft mit Feuchtheide, Hochmoorresten und Bruchwäldern öffnet sich. Ein solches Naturschutzgebiet gibt es Deutschland nur noch selten und wird als schönste und eindrucksvollste Heide- und Moorlandschaft Nordwestdeutschlands beschrieben. Der Begriff „Venn“ steht für eine „morastig-sumpfige Niederung“. Wir laufen auf einem schönen Pfad am Venn entlang. Ein Schwarzkehlchen mit einem Jungvogel zeigt sich, in einer Birke entdecke ich einen Baumpieper und auf dem gemulchten Weg landet die seltene und stark gefährdete Kleine Moosjungfer. Ein Bohlenweg führt durch das Moor, auf dem Ziegen und Schafe grasen. Wollgras mit den langen weißen „Wattebäuschen“ schaukelt im Wind. Nebenan wächst der seltene Sonnentau, eine kleine fleischfressende Pflanze, die auf die Aufnahme von Stickstoff durch das Erbeuten von Insekten spezialisiert ist, die sie mit ihren klebrigen Tentakeln umschließen kann. Flucht aussichtslos!
Unseren Ausflug beschließen wir mit einem Besuch des Otto-Pankok-Museums in Gildehaus. Hier fand der sozialkritische Expressionist Otto Pankok (1893–1966) 1936 Schutz vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Bei ausgedehnten Streifzügen durch das Dorf und seine Umgebung schuf er über 100 seiner typischen Kohlebilder. Auch dieses Museum kann nur durch ehrenamtliche Ausstellungsmacher betrieben werden. Während seiner Zeit als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf von 1947 bis 1958 unterrichtete Pankok zahlreiche später bekannte Künstler wie Günter Grass, an dessen Besuch in Gildehaus die Skulptur „Butt im Griff“ erinnert und die, ermöglicht durch örtliche Geldgeber, dauerhaft vor dem Museum steht. Ein schöner Abschluss unseres prall vollen Urlaubstages.
- Gildehauser Ostmühle
- Zahnrad mit Welle
- Der technische Aufbau
- Blick nach Süden von der Gildehauser Höhe
- Gildehauser Venn
- Ein schöner Weg entlang des Venn
- Das Gras wogt.
- Baumruinen
- Bohlenpfad
- Sonnentau (fleischfressende Pflanze)
- Wollgras
- Ziegen und Schafe beweiden die Fläche
- Wanderzeichen
- Kleine Moosjungfer
- Buntspecht
- Baumpieper
- Schwarzkehlchen
- junges Schwarzkehlchen
- Pankok-Museum mit Butt von Günter Grass
- Ostmühle von Otto Pankok























